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01.09.2021, 11.08

Seit dem 1. eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag am 8. September 1796 sind 225 Jahre vergangen. Im Vorfeld der Entstehung des neuen
Bundesstaates sollte der Feiertag den Religionsfrieden festigen und damit die Basis für ein friedliches Zusammenleben bilden. Die Bettagsaufrufe, sog. Bettagsmandate wollten aktuelle geistige, politische, wirtschaftliche und soziale Themen aus religiöser Sicht aufgreifen und gleichzeitig zum Innehalten und zur Besinnung aufrufen, vor allem aber auch dazu, dankbar zu sein und das Verbindende auf eine gute Zukunft hin neu sehen zu lernen.

Wo stehen wir heute? Wie könnte ein solches Mandat aussehen? Meint es, dass wir diesen Tag überreligiös feiern sollen – für einen Moment uns besinnen, uns fragen, was uns über alle Differenzen hinweg mit all unseren Mitmenschen – egal welcher Herkunft – verbindet, mit allen Menschen, denen Religion etwas Ernsthaftes und Tiefes, eine Rückbindung an ein Letztes (religere) bedeutet?
Paulus spricht im 2. Korintherbrief im 3. Kapitel von der christlichen Hoffnung, die lebendig macht. „Weil wir eine solche Hoffnung haben, treten wir mit grossem Freimut auf. “Freimut, der Mut, frei zu sein, frei von Vorurteilen, frei im Geiste Jesu, frei von Engstirnigkeit und Herzenshärte, weil wir wissen, dass es etwas gibt, das uns übersteigt, befreit, menschlich macht. Das heisst mutig werden, nicht ängstlich sein, Mut haben uns zu lösen von sperrigen Ideen und Dinge zu sagen, die nicht alle hören wollen, die aber der Wahrheit entsprechen.

Wenn wir ehrlich den Grund für die Dankbarkeit suchen, wenn wir uns ehrlich besinnen, wenn wir ehrlich beten dann verbinden wir uns mit einem Gott der Liebe, der Mensch geworden ist und Menschlichkeit vorgelebt hat. Dann anerkennen wir Gottes Geist als einen befreienden Geist, der uns über unsere Engen, über unsere Emotionen und Feindschaften hinaushebt um die Kraft, das Spezifische, die Schönheit und das Versöhnliche des christlichen Glaubens zu sehen. Dieser Geist macht uns frei, auch unsere eigene Relativität vor Gott einzugestehen.

Michèle Adam, Dr. theol. Pastoralraumleiterin